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Klötzelmönch
Klötzelmönch

Der Klötzelmönch Eines Tages wanderte ein junger Handwerksbursche in  Görlitz ein. Als er bei der offenen Klosterkirche vorbeikam, läutete eben das Minoritenglöcklein zur Messe. Der fromme Jüngling trat in die heiligen Räume, kniete nieder und betete inbrünstig. Da überfiel ihn eine plötzliche Müdigkeit, und er schlief ein. Der junge Mann erwachte erst gegen Mitternacht und erschrak nicht wenig, als er sich in tiefer Finsternis ganz mutterseelenallein in der öden Kirche wiederfand, zumal er auf einmal schlürfende Schritte aus der Ferne kommen hörte. Er versteckte sich eilig in einem der gotischen Chorstühle, die den Altarplatz umgaben, und kaum hatte er sein Versteck erreicht, da öffnete sich gegenüber eine Tür. Heraus trat ein Mönch, dessen häßliche Züge eine Blendlaterne hell beleuchtete. Er schleppte eine schlanke Frauengestalt, die offenbar nicht mehr am Leben war, an ihren langen, blonden Locken hinter sich her und klapperte dabei recht unheimlich mit seinen Holz- oder Klötzelpantoffeln. Vor dem Altar angekommen, arbeitete er eine  Steinplatte aus dem Fußboden heraus und ließ den Leichnam, hinab in die Tiefe, schloß die Platte wieder und verließ mit demselben schlürfenden Gange die Kirche. Dem Handwerksburschen zitterten ob diesem grausigen Anblick alle Glieder, er mußte jedoch ruhig ausharren, bis die Tür zur Frühmesse geöffnet wurde. Da schlich er sich unbemerkt hinaus und glaubte, es habe ihn ein böser Traum geäfft. Allein, auf der Herberge angelangt, hörte er, daß man seit gestern die schöne Tochter einer armen Witwe vermißte, die in die Messe gegangen, von da aber nicht wieder nach Hause zurückgekehrt war. Da begab er sich flugs zum Bürgermeister und erzählte, was er in der vorigen Nacht erlebt hatte. Dieser ließ sofort das Mönchskapitel versammeln, und leicht fand der Handwerksbursche unter den zitternden Mönchen den heraus, dessen häßliche Züge ihn in der vorigen Nacht erschreckt hatten. Derselbe gestand nun, daß er das Mädchen in seine Zelle gelockt dort mißbraucht, dann ermordet und in der Mitternachtsstunde am Altar der Klosterkirche verscharrt habe. Seine Strafe war die, lebendig eingemauert zu werden. Das Bild des Mönches aber und das der ängstlichen nach ihrer Tochter ausschauenden Mutter ließ ein Görlitzer Bürger an dem Hause, wo das Mädchen gewohnt hatte  (Fleischerstrasse 6), anbringen.     

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